Selbstgerechtigkeit – ein Problem der anderen?

Ich durfte am Freitag das Thema für die Jugendstunde machen… 🙂

In letzter Zeit verfestigt sich ein Gedanke in meinem Kopf. Ich habe ähnlich wie ihr eine christliche Erziehung mit allem drum und dran genossen. Schon früh sind alle möglichen Fragen aufgetaucht, wie z. B. wieso gehen wir nicht zu den Baptisten oder zu Pfingstgemeinde. Wieso gehen wir ausgerechnet in die Gemeinde Gottes?

Meinem Thema möchte ich vorrausschicken und ich hoffe, dass das auch deutlich durchkommt, dass ich gerne in diese Gemeinde gehe und meine Mitgeschwister liebe… 🙂

Zurück zu meiner Frage: Wieso ausgerechnet Gemeinde Gottes? Kommen wir eher wie andere Christen in den Himmel? Was qualifiziert uns denn? Was ist an unserer Gemeinde richtiger als an anderen Richtungen?

Viele meiner Fragen hat die Zeit beantwortet.

Ich bin so gut wie überzeugt davon, dass viele unserer Begründungen mit unserer Prägung, unserer Erziehung zu tun hat.

Ich bin ja in Kirgisien geboren. Ich weiß nicht ob in meiner Heimatstadt es noch andere Gemeinde gab. Ich weiß aber dass in Kasachstan, wo doch recht viele von euch bzw. euren Eltern herkommen, es viele christliche Gemeinden gab.

Ich denke dass auch recht häufig der Glaube der Familie von dem Dorf, bzw. der Stadt abhängig war, wo man herkam.

Was will ich damit sagen? Ich kann es nicht mit 100 % Sicherheit sagen, aber es klingt doch logisch, wenn ich behaupte, dass ich möglicherweise ein Baptist wäre, wenn ich vielleicht 27 km östlich von meinem Dorf im Nachbardorf aufgewachsen wäre.

Was wäre dann? Ich wäre ein Baptist, der treu Woche für Woche seine Gemeinde besucht. Und es wäre nichts Schlimmes dabei.

Letzten Dienstag waren wir auf der Beerdigung von Rita und Anita in Wolfsburg. Die beiden Mädels sind in die Immanuel Gemeinde gegangen. Das ist eine russland-deutsche Baptistengemeinde, die (so war mein Eindruck) fest in der Stadt Wolfsburg verankert und akzeptiert ist.

Mir hat die Art von Gottesdienst und auch die Lieder sehr gut gefallen. Alles war sehr gut und viel Liebe organisiert.

Die paar Stunden, die ich dort war reichen selbstverständlich nicht für ein festes Urteil und sicherlich hat auch diese Gemeinde Unstimmigkeiten und unterschiedliche Meinungen.

Wer bin aber ich, dass ich sagen kann ob die Gemeinde richtig oder falsch ist?

Ich habe mich diese Tage mit einer Person unterhalten. Sie ist nicht aus unserer Gemeinde, spiegelt aber sicherlich auch das Denken vieler Leute hier wieder.

Ich habe dieser Person von den beiden Mädels erzählt, dass sie auf die Bibelschule gegangen sind, sehr engagiert und beliebt waren usw.

Dann habe ich ihr auch ein paar Bilder gezeigt von ihnen. Auf diesen Bildern haben die Mädels Schmuck getragen.

Egal was diese Person davor gedacht hat, danach hatte ich das Gefühl, dass plötzlich die Mädels abgestempelt sind. So nach dem Motto: „Kann schon sein, dass sie sich Mühe gegeben haben – aber es wird bestimmt nicht für den Himmel reichen…“

Das hat mich traurig und zornig gleichzeitg gemacht.

Wer sind wir, wer ist dieser Mensch, dass wir andere Menschen verurteilen können?

Jesus sagt im Johannes-Evangelium (Joh: 8,7):

„Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Geschichte von der Ehebrecherin ab Vers 1-11

Das hätte ich diesem Menschen sagen sollen.

Paulus schreibt im Römberbrief (Römer 2,1) :

„Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest! Denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du, der du richtest, verübst ja dasselbe!

Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, welche so etwas verüben.“

Paulus schreibt fast so darüber, als ob es sich um ein Verbrechen handelt. Es ist eine Sünde.

Wenn ihr euch mit jemandem unterhaltet und das Gespräch in eine Ebene nach Motto, „Hast du die gesehen, oder jenes gehört“ rutscht, denkt immer daran, jeder soll seinen eigenen Balken aus dem Auge ziehen, bevor er den Splitter aus dem Auge des Bruders ziehen kann.

Eine Erfahrung habe ich meinem langen Leben gemacht. Wenn du einem echten Kind Gottes begegnest. Sei er schwarz oder weiß, von der Gemeinde Gottes oder der Brüdergemeinde, du wirst Gemeinschaft mit ihm haben können.

Das ist ein sehr deutliches Indiz. Ich kenne einfach zu viele Menschen, mit denen man stundenlang über die Rocklänge, den Gottesdienststil etc. diskutieren kann, mit denen ich aber leider noch nie eine Andacht oder ein Gebet haben durfte.

Liegt euch vielleicht noch ein Gedanke auf dem Herzen? Wo begegnet ihr einer gewissen Selbstgerechtheit und Arroganz in eurem Leben?

Im Matthäus Evangelium (Matth. 7,1+2) steht:

“Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet ! Denn mit demselben Gericht, mit dem Ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumeßt, wird auch euch zugemessen werden.“

Auf einem Blog habe ich sinngemäße folgendes gelesen: „Vielleicht sollten wir einfach mal anfangen Gott selbst entscheiden zu lassen, wer mal eines Tages bei ihm sein wird und wer nicht.

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2 Antworten zu “Selbstgerechtigkeit – ein Problem der anderen?

  1. Smirnov, Vladimir

    „Richten“ oder „nicht richten“

    Dieser Grundsatz hat große praktische Bedeutung, aber er wird von vielen aus dem Volk Gottes vermutlich nicht verstanden. Es gibt viele, die zu glauben scheinen, dass es für die, die durch die Gnade errettet wurden und die selber gewissermaßen Denkmäler der Barmherzigkeit sind, nicht angemessen sei, in irgendeiner Form oder nach irgendeinem Grundsatz Zucht auszuüben. Sie glauben dass Matthäus 7,1 den Gedanken an Zucht unbedingt verurteilt. Sagt uns der Herr nicht ausdrücklich, so fragen sie, dass wir nicht richten sollen? Sagt Er nicht selbst: „Richtet nicht damit ihr nicht gerichtet werdet“? Ohne Zweifel! Aber was wollen diese Worte sagen? Bedeuten sie, dass wir die Lehre und Lebensweise derer nicht zu richten haben, die christliche Gemeinschaft mit uns haben möchten? Stützen diese Worte irgendwie den Gedanken, dass wir einen Menschen aufnehmen sollen ohne Rücksicht auf das, was er glaubt, lehrt oder tut? Kann das die Absicht und die Bedeutung der Worte unseres Herrn sein? sicher nicht! Sagt uns unser Herr nicht in demselben Kapitel, dass wir uns „vor den falschen Propheten hüten sollen“? (V.15). Wie aber können wir uns vor jemandem hüten, den wir nicht zu beurteilen haben?

    Nein, die Versammlung Gottes ist verpflichtet, die Lehre und die Lebensweise aller derer zu beurteilen, die mit den Gläubigen Gemeinschaft haben möchten. Wir haben nicht die Beweggründe zu prüfen, wohl aber die Handlungen. In 1. Korinther 5 werden wir von dem Apostel deutlich belehrt dass wir verpflichtet seien die zu richten die sagen dass sie der Versammlung angehören. „Denn was habe ich die zu richten, die draußen sind? Ihr, richtet ihr nicht die, die drinnen sind? Die aber draußen sind richtet Gott; tut den Bößen von euch selbst hinaus“ (1. Kor 5,12.13).

    Diese Worte sind sehr klar. Wir haben nicht die zu richten, die „draußen“ sind, sondern die, die „drinnen“ sind. D. h. alle, die den Platz als Christen, als Glieder der Versammlung Gottes einnehmen, gehören in den Bereich, auf den sich das Gericht erstreckt. In dem Augenblick, in dem ein Mensch in die Versammlung hereinkommt, nimmt er seinen Platz dort ein wo Zucht ausgeübt wird über alles, was der Heiligkeit dessen, der dort wohnt, widerspricht.

    Quelle: Die fünf Bücher Mose: Eine Bibelauslegung von C.H. Mackintosh

  2. Lieber Valentin, du sprichst mir so sehr aus dem Herzen. Wir Christen führen uns allesamt auf, als wären wir alle sowas wie kleine „Mini“-Jesus’e, die sich anmaßen zu entscheiden wer etwas richtig macht und wer nicht. Wer in den Himmel kommt und wer nicht.

    Ich denke wir werden allesamt sehr erstaunt sein, wen wir dort oben finden werden, denn GOTT SEI DANK entscheidet ER das.

    Wir sind gefangen in dem, was wir als Menschen für „wahr“, „gut“, „richtig“ empfinden. Wie wir Gottes Wort verstehen und so weiter. Dabei hat Jesus uns ganz deutlich gesagt, dass er die einzige Wahrheit ist die für uns relevanz haben sollte.

    ER ist DER Weg, DIE Wahrheit und DAS Leben. Anstatt das in unseren Fokus zu stellen und allen die das glauben in Liebe begegnen, verzetteln wir uns in Streitfragen über dies und das, was eigentlich absolut unwichtig ist.

    Das macht mich so traurig und so zornig. Wir würden Gottes Werk viel besser tun können, wenn wir alle am gemeinsamen Strang ziehen würden und unsere einzige wahre Gemeinsamkeit JESUS in den Mittelpunkt stellen würden.

    Aber nein – wir verurteilen uns viel lieber, wo Jesus doch uns gebot „Liebt einander, wie ich Euch geliebt habe“. Wir sind nunmal alle anders, schon zu Paulus Zeiten gab es Brüder und Schwestern die Fleisch aßen, andere nicht. Für einige Gebiete mußte Paulus so agieren, für andere wieder anders.

    Ich finde es immer wieder erstaunlich wieviel Geduld und Liebe mit uns verbohrten Menschen hat.

    Irgendwie überlesen wir immer das da steht: Wer an mich glaubt wird leben. Und nicht: Wer an mich glaubt und (setze eine Denomination ein) angehört wird leben…

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