Das Wort zum Freitag…

Bin auf Context 21 auf eine interessante Geschichte von einem Rabbi gestoßen…

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem Rabbi.

„Rabbi“, fragten Sie, „was tust Du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie Du.“

Der antwortete mit einem Lächeln: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: „Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was Du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?“

Es kam die gleiche Antwort: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Rabbi nach einer Weile hinzu: „Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr, wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.“

Meine Gedanken dazu: Wie häufig lebe ich entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit? Ich hoffe dass ich nicht erst so alt werden muss wie der Rabbi in der Geschichte um das zu leben.

Schon seit einigen Jahren rede ich über „den Moment leben“ usw. Ich versuche auch den Moment zu leben, aber wie häufig erwische ich mich mit Gedanken, die einfach in die nächsten Tage, Wochen und Monate greifen. Sehr schnell vergisst man dann auch, dass das Leben jetzt ist. Nicht in zehn Minuten oder zwei Tagen. Ich muss jetzt anfangen zu leben.

NufenenpassAber: schaut euch beispielsweise dieses Bild rechts an.

Man sieht eine Berglandschaft und eine schmale Straße die sich in Serpentinen Meter für Meter den Berg hochschlängelt.

Das ist der Nufenenpass in der Schweiz. Er ist der höchste befahrbare Pass in der Schweiz. Vor ein paar Jahren habe ich ihn mit ein paar Freunde mit den Fahrrädern überquert. Im Rückblick war das einer der härtesten Touren ever. (gleich nach dem Col du Galibier und Alpe d’Huez ich weiß ich bin ein Angeber:-) Hat man dann aber den Gipfel erreicht, überkommt einen wirklich ein wirklich saugutes Gefühl.

Während man aber hochfährt kann man weder großartig den Moment genießen, noch sich über die tolle Landschaft freuen. Das einzige was einen motiviert ist der Gipfel. Das Ziel. Der Triumpf. Der Sieg über den Berg.

Das heißt in solchen Momenten lebe ich praktisch für die Zukunft. Das ist aber wahrscheinlich eine der wenige Ausnahmen, bei denen es sich lohnt das Glück in der Zukunft zu suchen.

In neun von zehn Fällen hat aber der Rabbi recht…

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2 Antworten zu “Das Wort zum Freitag…

  1. Lieber Valentin,

    das ist ein schöner Beitrag.

    Aber geht nicht irgendwann beides? Die Freude auf den Gipfel, und die Intensität jedes Moments des Weges? Doch, das geht…

    Und wenn das Ziel nicht erreicht wird, der Gipfel, so war nicht eine Sekunde verloren.

    Einer der vielen Geburtsmomente ist die innere Explosion des „Es ist schon alles getan.“ Zukunft, Vergangenheit – alles fällt in einen Moment zusammen, anstrengungslos nur noch ein Jetzt.

    „Seht die Vögel unter dem Himmel an. Sie sähen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. (…) Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht. Ich sage euch, dass auch Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. (…) Darum sollt ihr euch nicht sorgen…“

    Oft, zu oft, schläft mein Bewusstsein ein, wenn ich gemahnt bin, (auch) in der Nacht (mit ihm) zu wachen. Nicht nur Erinnerungen an die Vergangenheit, und Sorgen um die Zukunft vergiften dann den Tag, sondern auch eine Trennung von den Brüdern und Schwestern, von „ihm“, ich vergesse mein Glück… Du siehst es an den vielen negativen Beiträgen in meinem Blog, die ich meist schon eine Stunde nach dem Schreiben bereue. Was bin ich oft für ein beknackter Typ…

    Doch die Sehnsucht nach „ihm“ holt mich immer wieder ein – „ER“ holt mich immer wieder ein. Wie reich beschenkt ich bin mit dieser Sehnsucht, ihrer immer wieder kehrenden Erfüllung… Mein Beknacktsein kann ich dann sausen lassen, die Beiträge muss ich nicht löschen, jeder darf lesen, wie blöd ich oft bin. JETZT umfängt mich „ER“, ist doch wurscht,was war, was sein wird; wurscht, wie ich dastehe… Ich bin kein Kluger oder Schlauer, kein Weiser, nichts dergleichen; das alles zählt nicht…

    Auch dieser Kommentar von mir ist vielleicht beknackt. Was soll’s. Aber du, Valentin, hast mir einen schönen Moment geschenkt mit deinem Post hier. Danke.

  2. Lieber Valentin,
    danke für die Erinnerung an diese schöne Geschichte – ich bin über Norbert zu dir gelangt und wollte sofort wissen, was du zu diesem Thema schreibst.
    Ich bin diese Schweizer Passstraße auch schon gefahren, allerdings mit dem Auto.. .;-) Sie ist tatsächlich der abolute Wahnsinn – wahnsinnig schön und romantisch! Alle Achtung, dass du sie mit dem Rad gefahren bist!
    Wenn ich laufen gehe auf den Berg – also, da wo ich wohne, am Stadtrand von Wien, da gibts den Wienerwald, der etwas hügelig ist, fast schon bergig 😉 nicht umsonst heißt ein Nachbarort „Brunn am Gebirge“ *lach* -, wenn ich also da laufen gehe, dann denke ich nicht daran, wann ich es geschafft habe, oben zu sein, sondern ich genieße jeden Schritt, jeden Atemzug, das ist einfach herrlich!
    Danke für den schönen Gedankenanstoss!
    Liebe Wochenendgrüße von Elisabeth

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